Gemütlich und ruhig sollte der Tag seinem Ende entgegen plätschern, nochmal kalt duschen, etwas lesen, früh ins Bett.
Aber...natürlich kam alles anders!
Da ich zurzeit in einem 8-Bett-Dormroom residiere, dessen Tür immer auf ist und nicht abgeschlossen werden kann, wollte ich - paranoid wie ich als Deutsche nun einmal bin - meinen Laptop, mein Geld, mein Handy und meine Kamera in meinen Koffer einschließen, damit ja nichts abhanden kommt, solange ich unter der Dusche stehe (die man übrigens glücklicherweise abschließen kann). Das Schloss hatte ich in Bonn am Tag vor der Abreise extra noch gekauft, man weiß ja nie!
Nun packte ich also meine Sachen in den Koffer und legte Handtücher und Duschzeugs zurecht. Plötzlich hielt ich inne - wo war der Schlüssel für das Kofferschloss?
Auf dem Bett war er nicht, unter dem Bett war er nicht. Ich versuchte mich zu erinnern, wo ich ihn abgelegt hatte, konnte es aber nicht. Der begrenzte Platz, der mir in dem winzigen Raum zur Verfügung stand, war schnell abgesucht. Und auch ein zweites Mal - nichts. Ich hatte sogar in die Schuhe meiner englischen Bettnachbarinnen geschaut und unter ihre Sonnenhüte - nichts zu finden. Es gab nur eine Möglichkeit, wo der Schlüssel sein könnte.
Ihr ahnt es schon: er musste im Koffer sein. Das war dumm. Irrsinnig dumm. Was also tun?
Das Hostel, das sonst immer sehr belebt ist, war plötzlich wie ausgestorben, an der Rezeption auch niemand zu finden. Ich überlegte und grübelte, starrte das Schloss böse an, aber es half alles nichts.
Eine Gruppe von Amis, Deutschen und anderen mir unbekannte Nationalitäten hatte sich in der Zwischenzeit im Aufenthaltsraum versammelt. Also stapfte ich mit meinem Koffer hinüber und erklärte mein Problem. Hi, my name is Kristin. I know this is stupid, but I locked my suitcase and the key is inside.
Mithilfe einer Haarklammer von einer Anna versuchte ein Brad das Schloss zu knacken. Leider blieb auch das ohne Erfolg. Die Haarklammer überlebte leider nicht, sie blieb zur Hälfte in dem Schloss stecken und brach ab. Das Schloss blieb also wo und wie es war: zu.
Letztendlich kam doch noch einer der Hostelmitarbeiter zu Hilfe. Zunächst versuchte er es mit einer einfachen Zange - keine Chance, das Schloss blieb hartnäckig. Also zog er härtere Geschütze auf, eine Rohrzange musste her. Mit den vereinten Kräften beider Zangen - mit der einen hielt er das Schloss fest, mit der Rohrzange drosch er auf das Schloss ein - und unter Einsatz seines Lebens rettete mich der palästinensische Hostelmitarbeiter (der höchstwahrscheinlich Mohammad oder Mahmud oder Rami heißt) aus meiner misslichen Lage.
Es wurden Photos gemacht und eine Dankesrede gehalten. Und ich habe mein Zeugs wieder.
Und was lernen wir daraus? 1. Deutsche Schlösser halten, was sie versprechen. 2. Palästinensische Hostelangestellte können mehr, als man denkt. Und 3. Wenn man schon 2 Schlüssel zu einem Schloss hat, sollte man sie NICHT an ein und demselben Ort verwahren.
Irgendwie hört sich das nach einer Story an, die Almut auch locker hätte passieren können...
AntwortenLöschenoch Krissi... :)
AntwortenLöschenGut, dass du in Bonn noch ein Schloss gekauft hast! Was hättest du noch ohne gemacht? ;)
AntwortenLöschenDanke für die lustige Story zum Feierabend! Ich glaube alle auf dem Flur haben sich gerade gewundert, warum ich vor mich hin lache....:-)
AntwortenLöschenLG
Heike